Taylor Hackfords Im Auftrag des Teufels (1997) setzt einen jungen Anwalt namens Kevin Lomax in eine Manhattaner Kanzlei, deren Seniorpartner John Milton sich als der Teufel entpuppt. Die Besetzung ist der Witz: Al Pacino, ein Mann, dessen Stimme immer einen Zoll vor dem Plädoyer zu stehen schien. Pacino spielt den Teufel als Seniorpartner — geduldig, charmant, großzügig mit Bonus und Zeit. Die Versuchung ist nicht laut. Sie ist strukturell. Kevin sagt Ja zur Kanzlei, dann zum Fall, dann zum Geheimnis eines Zeugen, dann zur Lüge. Bis er versteht, dass er angeworben wurde, ist die Anwerbung vorbei.
Der meistzitierte Moment des Films ist Pacinos Schlussmonolog. Eitelkeit, sagt er auf die Frage nach seiner Lieblingssünde. Definitiv mein Favorit. So grundlegend. Selbstliebe. Die Szene ist die Pointe. Die Vorbereitung ist älter. Sie steht im Neuen Testament, in einem Brief, den Petrus Jahrzehnte nach der Auferstehung an verstreute Christen schrieb:
"Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge."
Ein Löwe, kein Anwalt
Petrus' Bild ist katzen-, nicht juristisch. Das Griechische für geht umher ist peripatei — dieselbe Wurzel, die im Deutschen peripatetisch hervorbringt, jenen Philosophen, der gehend lehrt. Der Teufel geht. Er ist ein Tier des Umkreises. Er patrouilliert. Er sucht die Langsamen.
Hackfords Film macht genau das sichtbar. Pacinos Milton ist überall im Gebäude — in Aufzügen, auf Dächern, hinter Schreibtischen, auf U-Bahn-Steigen. Er sitzt nie still, selbst sitzend nicht. Er ist, in der Verbform des Verses, in Bewegung. Er wählt aus.
Der Vers fügt hinzu wie ein brüllender Löwe. Nicht das Brüllen ergreift die Beute. Das Gehen. Das Brüllen meldet das Bereits-Eingetroffene. Wenn Kevin Lomax das Brüllen hört, beherbergt die Kanzlei den Löwen längst.
Was Nüchternheit und Wachsamkeit sind
Die zwei Adverbien, die Petrus dem Löwen voranstellt, lassen sich leicht überlesen. Nüchtern ist im Griechischen nēphō — klar im Kopf, nicht berauscht von irgendetwas, Erfolg eingeschlossen. Wachen ist grēgoreō — wach bleiben. Beides sind negative Tugenden. Sie verhindern, dass die Beute ausgewählt wird.
Der Film visualisiert diese Negation. Kevin werden Champagner, Scotch, Sex, weißleinene Räume, Ovationen angeboten. Jedes ist, im Griechischen, das Gegenteil dessen, was Petrus riet. Jedes macht ihn ein wenig weniger fähig, den Schritt des Löwen zu sehen. Im Höhepunkt ist er nicht mehr nüchtern und keineswegs wach.
Die lesende Mutter
Kevins Mutter, gespielt von Judith Ivey, ist Kirchgängerin in Florida. Sie taucht zur Mitte des Films mit einer Bibel und einer entscheidenden Information über Kevins Vater auf. Der Film macht sie nicht zur Heiligen. Er lässt sie nicht einmal die Argumentation gewinnen. Aber der Vers, den sie trägt, ist der Vers, auf dem der Film ruht. Sie liest ihn seit Jahren. Kevin ignoriert ihn ebenso lange.
Die Gnade des Films besteht darin, sie im Raum zu lassen. Wenn Kevin am Ende umkehrt, kehrt er sich zu dem hin, was sie sagte.
Eitelkeit als Rachen des Löwen
Als Pacino die Eitelkeit-Zeile sagt, filmt Hackford ihn in Großaufnahme, fast wie ein Liebhaber. Die Sünde, die Petrus nennt, ist nicht Eitelkeit. Die Sünde, die er nennt, ist der Löwe. Doch beide sind verbunden. Der Löwe frisst denjenigen, der zu sehr in sich verliebt ist, um aufzublicken.
Kevins letzte Tat ist eine Verweigerung — er verlässt das Schlussplädoyer, das seine Karriere gemacht hätte. Der Film schließt sich zum Kreis. Wir sind wieder am Anfang, ein Journalist bittet um ein Exklusivinterview mit dem brillanten jungen Anwalt. Eitelkeit, sagt Pacino in die Kamera, meine Lieblingssünde. Der Löwe wollte nie gehen. Er machte nur die Runde.
Die vierzig Sekunden
Lesen Sie 1. Petrus 5,8 einmal. Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Vierzig Sekunden. In dieser Zeit hört man, was der Film in zwei Stunden fünfzehn dramatisierte. Das Brüllen am Schluss bleibt im Gedächtnis. Das Gehen davor ist, wovor der Vers warnt.
Die Kanzlei ist das Spektakel. Das Gehen ist der Vers. Eitelkeit ist am Ende, was die Beute am Fliehen hindert.