Artikel · In der Kunst

Fünf Männer pressen gegen den Stamm. Das Gesicht oben ist schon zum Himmel gewandt.

Ein Kreuz in fünfundvierzig Grad, fünf sich anstrengende Männer, ein Gesicht schon zum Himmel gewandt. Lesen Sie Johannes 19,17-18 neben Rubens' Antwerpener Triptychon.

John 19:17-18

In der Liebfrauenkathedrale in Antwerpen hängt Rubens' Kreuzaufrichtung, 1610–1611 gemalt als seine erste große Auftragsarbeit nach acht Jahren in Italien. Die Mitteltafel ist überfüllt. Fünf Männer und ein Hund pressen gegen den Stamm des Kreuzes und heben ihn vom Boden nach oben. Das Kreuz ist bereits in einem Winkel von fünfundvierzig Grad gekippt. Christus ist daran befestigt, die Arme weit ausgestreckt, der Kopf zum Himmel gewandt. Sein Körper ist in der Komposition vertikal, das Kreuz jedoch ein diagonaler Balken, der die Leinwand von unten rechts nach oben links quert.

Die Männer, die heben

Das Bild handelt von Arbeit. Genauer: von der Arbeit der Kreuzigung als etwas, das von mehreren Körpern getan werden musste, jeder sich anders anspannend. Ein Mann links zieht an einem Seil. Ein anderer drückt mit der Schulter gegen das Holz. Ein dritter, am Fuß des Kreuzes, packt es mit beiden Händen und blickt zu dem auf, was er zu heben hilft. Ein Hund bellt. Der Himmel dahinter ist dunkel. Diese Männer sind nicht böse. Sie sind Arbeiter.

Das Argument der Gegenreformation

Rubens malte dies, als die katholische Gegenreformation ihre Bild-Theologie gegen die protestantische Strenge verhärtete. Das Konzil von Trient hatte bestanden, dass religiöse Bilder den Betrachter leiblich bewegen sollen — den Glauben sichtbar machen als Fleisch, Schweiß, Muskel. Rubens' Kreuzaufrichtung tut genau das. Keine Stille. Kein anständiger Abstand. Nur Anstrengung, Gewicht und die vertikale Gestalt, die sich über die Anstrengung erhebt.

Was der Vers sagt

Das Johannes-Evangelium beschreibt die Kreuzigung in einem langen, knappen Satz:

Johannes 19,17-18

"Und er trug selbst sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte."

Er trug selbst sein Kreuz. Das griechische Verb ist bastazōn — tragen, als Last tragen. Johannes legt das Gewicht für den Weg in Jesu eigene Arme. Matthäus, Markus und Lukas erwähnen, dass Simon von Kyrene gezwungen wurde zu helfen. Johannes erwähnt nur das Tragen. Das Gewicht ist der Punkt.

Rubens verteilt das Gewicht. Auf dem Weg, sagt Johannes, trug Christus es allein. Auf dem Hügel mussten die Soldaten es aufrichten. Zwischen dem Tragen und dem Aufrichten liegen mehrere Händepaare. Rubens malt diese Hände.

Die Gestalt, die sie heben

Und doch handelt das Bild nicht in erster Linie von den Soldaten. Christi Leib beherrscht die vertikale Achse. Seine Brust ist beleuchtet. Sein Kopf ist nach oben gewandt, der Mund leicht geöffnet, die Augen zum Himmel. Er sieht nicht auf die Soldaten. Er wendet sich an die Stille über ihnen. Die Männer heben. Er steigt in ein Gebet hinein.

Rubens' leise Theologie: Die Arbeit des Kreuzes hat viele Hände, aber der, den diese Hände heben, blickt an ihnen vorbei zu einem Vater. Was wie eine Szene kollektiver Gewalt wirkt, ist in seinem Zentrum ein Akt der Anrede.

Die vierzig Sekunden

Schreiben Sie den Vers von Hand ab — nur den Anfang: Er trug selbst sein Kreuz und ging hinaus. Vierzig Sekunden. In dieser Zeit spüren Sie, was das Bild weiß. Dass Gewicht am ehrlichsten als Arbeit gemalt wird, nicht als Geste. Dass die gehobene Gestalt bereits zu jemandem spricht, den die Hebenden nicht sehen können.

Das Kreuz steht bei fünfundvierzig Grad. Die Männer strengen sich an. Das Gesicht ist zum Himmel gewandt.
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