Rembrandt malte Die Verleugnung Petri 1660 in Amsterdam, acht Jahre vor seinem Tod. Das Bild ist fast ganz Dunkelheit. Erhellt von einer einzigen Sache: einer Kerze, die eine Dienerin hält, mit der anderen Hand abgeschirmt, nahe an das Gesicht eines älteren Mannes gehoben. Der Mann ist Petrus. Sein Bart ist grau, die Augen weit aufgerissen in Alarm. Eine Hand ist erhoben — die Handfläche nach außen, als wolle er das Licht wegstoßen, obwohl es nicht das Licht ist, dem er widersteht, sondern die Frage.
Die Kerze, die ihn nicht verstecken lässt
Die Dienerin beugt sich vor. Ihr Gesicht ist jung, neugierig, ohne Feindseligkeit. Hinter ihnen, im Schatten, zwei Soldaten. Und hinter den Soldaten, kaum sichtbar — ein Detail, das Rembrandt hinzugefügt hat und das bei Matthäus nicht steht — eine Gestalt, die den Kopf dreht.
Der, der sich umwendet
Im Lukas-Evangelium endet die Szene mit einer kleinen, verheerenden Zeile: Und der Herr wandte sich um und sah Petrus an. Rembrandt malt Matthäus' Bericht der Verleugnung, hat aber Lukas' Detail in den Hintergrund übernommen. Man übersieht es fast. Eine Gestalt in einer Schattengruppe, der falschen Richtung zugewandt. Dann wendet sich ihr Kopf.
Diese Gestalt ist Christus, weggeführt vom Hof des Hohenpriesters. Der Hof ist der Ort, wo Petrus sich wärmt und versucht, in der Menge anonym zu sein. Aus dieser Schattendistanz wendet sich Christus in dem Augenblick um und sieht ihn an, in dem Petrus zum dritten Mal verleugnet. Rembrandt malt das Hinsehen als das kleine Drehen eines Kopfes, gerade noch erfasst.
Was der Vers festhält
"Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht. Und alsbald krähte der Hahn. Da dachte Petrus an das Wort Jesu, der gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich."
Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören. Das griechische Verb katathematizein ist ein förmlicher, fast rechtlicher Eid — Petrus ruft den Fluch auf sich selbst herab, falls das, was er sagt, falsch ist. Das ist kein einfaches Lügen. Das ist eine gesteigerte Verleugnung. Petrus will, dass die Dienerin und die Soldaten und alle am Feuer wissen, dass er nicht einer von ihnen ist. Er gebraucht die stärkste Sprache, die er hat.
Dann kräht der Hahn. Matthäus gibt es in einer Zeile. Ein Laut außerhalb der Mauern, bei Tagesanbruch. Rembrandt malt den Hahn nicht. Er malt den Moment im Hof, in dem die Verleugnung noch versiegelt ist, vor dem Krähen, vor dem Umwenden, vor dem Erinnern. Er malt, wie es aussieht, der Mann zu sein, der die Hand erhebt.
Die vierzig Sekunden
Schreiben Sie den Vers von Hand ab — nur den letzten Satz: und er ging hinaus und weinte bitterlich. Vierzig Sekunden. In dieser Zeit spüren Sie, was das Bild bereits weiß. Dass Verleugnung eine kleine Geste mit langem Schweif ist. Dass manchmal derjenige, der Sie am meisten liebt, sich im schlimmsten Moment umdreht, damit Sie den Blick nicht verfehlen. Dass die Kerze, die dicht vor Ihr Gesicht gehalten wird, nicht von einem Feind gehalten wird.
Die Hand ist noch oben. Der Hahn hat noch nicht gekräht. Der Kopf beginnt sich gerade erst zu drehen.