Artikel · Im Film

Dieser Monolog von Samuel L. Jackson? Er steht nicht wirklich in der Bibel.

Der Vers, den Samuel L. Jackson vor jedem Mord rezitiert. Das meiste stammt nicht vom Propheten, sondern aus einem Sonny-Chiba-Film von 1976. Lesen Sie es neben dem Original.

Ezekiel 25:17

Jules (Samuel L. Jackson) hebt seine Waffe und beginnt: „Der Weg des Gerechten ist von allen Seiten bedrängt…" Am Ende des Rezitierens wird abgedrückt. Seit 1994 hat sich diese Szene ins Filmgedächtnis gebrannt — und unzählige Zuschauer haben Hesekiel 25,17 nachgeschlagen, um sie zu finden. Sie werden enttäuscht. Dort steht das nicht.

Die Szene gegen die Schrift

Der tatsächliche Vers ist ein einziger, karger Satz — eine Erklärung des Gerichts, nichts weiter:

Hesekiel 25,17

„Ich will große Rache an ihnen üben und sie mit Grimm strafen, damit sie erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich meine Rache an ihnen vollstrecke."

Lutherbibel
Abschreiben

Die Filmversion ist länger, weitaus theologischer, weitaus theatralischer. Doch auch das meiste davon stammt nicht von Tarantino. Die amerikanische Fassung von Sonny Chibas The Bodyguard aus dem Jahr 1976 beginnt mit fast demselben Text — der Weg des Gerechten, die Tyrannei der Bösen, der Hirte im Tal der Finsternis — und endet mit „ihr werdet erkennen, dass ich Chiba der Bodyguard bin". Tarantino behielt die Rede und setzte den HERRN dorthin zurück, wo Chiba gestanden hatte.

Warum die Neuschreibung zählt

Dreißig Jahre nach dem Kinostart glauben viele Zuschauer noch immer, der gesamte lange Monolog stamme aus der Schrift. Das ist nicht bloß eine Frage des Faktenchecks. Was ist es an der biblischen Kadenz, dass selbst eine Imitation wie das Original klingt? Das ist die weitaus interessantere Frage.

Der Urtext ist aus gutem Grund kurz und streng. Hebräische Prophetie arbeitet mit Wiederholung und Leerraum. Ein einziger Satz trägt das ganze Gewicht, und der Leser füllt das Schweigen. Tarantino ging den entgegengesetzten Weg. Er füllte das Schweigen mit Dialog — und es funktionierte.

Was man sieht, wenn man es selbst schreibt

Tippen Sie das ursprüngliche Hesekiel 25,17 in VerseWrite. Es dauert 40 Sekunden. In dieser kurzen Spanne spürt man den Abstand zwischen Film und Text. Wo Tarantino Dutzende Worte hinzufügte, lässt das Original die Stille sprechen.

Der Film spricht; die Schrift schweigt. Beide erzeugen Schrecken — auf entgegengesetzte Weise.

Ein einziges Abschreiben macht den Unterschied greifbar. So großartig die Darbietung auch sei, eine Zeile des Originals trägt ein Gewicht anderer Art. Auch deshalb haben die Propheten ihre Reiche überdauert.

Hesekiel 25,17
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Quellen
  1. Wikipedia — Karate Kiba (The Bodyguard, 1976)
  2. Quentin Tarantino Archives — Ezekiel 25:17
  3. BibleGateway — Ezekiel 25:17 (KJV)