Artikel · In der Kunst

Die Hand des Engels ruht auf der Schulter. Der Kelch wird nicht weggenommen. Die Hand bleibt trotzdem.

Eine Radierung in Postkartengröße, eine kniende Gestalt, die Hand eines Engels auf der Schulter. Lesen Sie Lukas 22,42-44 neben einem Gebet, dessen Antwort Gegenwart ist, nicht Veränderung.

Luke 22:42-44

1657 schuf Rembrandt eine kleine Radierung von Christus im Garten Gethsemane. Kaum größer als eine Postkarte. Eine Gestalt in dunklem Gewand kniet im Vordergrund, die Ellbogen auf einem Felsen, die Hände gefaltet. Das Gesicht ist nach oben geneigt. Über ihr beugt sich ein Engel herab. Die Hand des Engels liegt auf der Schulter Christi. Wenige Schraffuren deuten Bäume und Finsternis an. Mehr enthält das Bild nicht.

Der Kelch, der hätte weggenommen werden können

Hinter ihnen, in einer Zone, die noch dunkler ist als der Rest, schlafen die drei Jünger, die hätten wachen sollen — eine Schulter, ein Fuß, ein Stück Mantel. Rembrandt zeigt sie als Schatten unter Schatten. Die Wache ist gescheitert.

Das Gebet, das bittet

Das Lukas-Evangelium hält das Gebet in genauen Worten fest:

Lukas 22,42-44

"Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und er geriet in Todesangst und betete heftiger. Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen."

Willst du, so nimm diesen Kelch von mir. Es ist ein Konditionalsatz. Wenn. Das Gebet ist keine stoische Annahme. Es ist die Bitte, dass die Sache nicht geschehe — sofort gefolgt von der Übergabe dieser Bitte. Der Mann, der im Garten kniet, wollte ein anderes Ende. Er hat darum gebeten. Er hat es nicht erhalten.

Nur Lukas berichtet vom Engel, und nur Lukas berichtet vom Schweiß wie Blutstropfen. Die anderen Evangelien geben nur das Gebet. Lukas fügt die Antwort des Körpers hinzu. Ein Äußerstes an Furcht, das das Gefäßsystem selbst registriert — eine medizinische Erscheinung, heute als Hämatohidrose bekannt, tritt unter extremer Angst auf. Rembrandts Radierung behält den Engel, aber das Blut ist nicht sichtbar. Es ist in der Neigung des Gesichts angedeutet, in der Art, wie eine Hand die andere zu umklammern scheint.

Die Hilfe, die den Ausgang nicht ändert

Der Engel der Radierung rettet nicht. Der Engel sagt nicht: du darfst dies überspringen. Der Engel trägt Christus nicht fort. Der Vers sagt, der Engel stärkte ihn. Gestärkt wofür? Für den Rest der Nacht, der die Verhaftung, den Prozess und das Kreuz einschließt. Der Engel hilft ihm, im Kelch zu bleiben, nicht ihn zu vermeiden.

Das ist eine seltsame Art der Hilfe. Rembrandt zeigt sie als eine Hand auf einer Schulter. Keine hebende Hand. Eine begleitende.

Die vierzig Sekunden

Schreiben Sie den Vers von Hand ab — nur die Bitte: willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Vierzig Sekunden. In dieser Zeit spüren Sie, was die Radierung weiß. Dass manche Gebete durch Gegenwart beantwortet werden, nicht durch Veränderung. Dass die Hand auf Ihrer Schulter manchmal nicht da ist, um Sie zu bewegen, sondern um bei Ihnen zu bleiben, während Sie tun, was getan werden muss.

Der Kelch ist nicht weggenommen. Die Hand ist nicht gehoben worden. Die drei dahinter schlafen noch.
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